Regieren - und dann?
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Mitglieder der Regierung stehen im Mittelpunkt des öffentlichen und besonders des veröffentlichten Interesses. Sogar wo und wann sie in die Ferien gehen, ist eine Medienmeldung wert und bei allen Anlässen werden sie speziell begrüsst: Onorevole, ot stimà, sehr geehrte… Dies allerdings nur, solange sie Mitglieder der Regierung sind. Nach ihrem Ausscheiden sinkt die Aufmerksamkeit gewaltig.

Raetia Publica hat sich gefragt, wie es ausgetretenen Mitgliedern nach einem Jahr geht. Was tun sie, was sicher nicht mehr? Nehmen sie noch Einfluss, bleiben sie an der kantonalen Politik interessiert oder darin noch tätig? Johannes Flury hat mit Barbara Janom Steiner und mit Martin Jäger gesprochen. Martin Jäger, beim Austritt aus der Regierung schon 65-jährig, Barbara Janom vor einer weiteren Phase der Berufstätigkeit, zwei ganz verschiedene Ausgangslagen. Deshalb sind denn auch die Fragen unterschiedlich und die Interviews anders gelaufen, aber gewisse Dinge ähneln sich dennoch.

 

Johannes Flury (Text)
Curdin Albin (Fotos)

Johannes Flury ist Präsident der Lia Rumantscha und ehemaliger Rektor der Pädagogischen Hochschule Graubünden.  Bild zVgJohannes Flury ist Präsident der Lia Rumantscha und ehemaliger Rektor der Pädagogischen Hochschule Graubünden.  Bild zVg

Johannes Flury ist Präsident der Lia Rumantscha und ehemaliger Rektor der Pädagogischen Hochschule Graubünden. Bild zVg

Martin Jäger: Ich suche immer noch das Loch

Man macht sich sicher Vorstellungen, wie es wohl sein wird. War es dann auch so?

Man hat mich im letzten Regierungsjahr häufig gewarnt: Pass auf, du fällst dann in ein Loch. Nun, nach einem Jahr kann ich sagen: Dieses Loch ist nicht gekommen – zum Glück! Ich konnte mir sehr genau vorstellen, was sich ändern wird. Und diese Vorstellung ist eingetroffen. Ich hatte übrigens schon 2011 der Geschäftsleitung der SP mitgeteilt, ich würde nur zwei Amtsdauern machen, sofern ich wiedergewählt werde und gesund bleiben darf. Bis beinahe 70 den Regierungsjob zu leisten, das wäre wohl nicht nur für mich nicht wirklich gut gewesen. Im Grunde ist es mir nun nicht viel anders ergangen als es mir in meiner ursprünglichen Arbeit des Primarlehrers gegangen wäre: Mit dem Erreichen des Pensionsalters ist das Berufsleben beendet, wird das Leben mehr selbstbestimmt als fremdbestimmt. Natürlich fielen die vielen Einladungen, die vielen Termine, all die Kommissionssitzungen etc. schlagartig weg. Aber ich besuche viele kulturelle Veranstaltungen jetzt halt als Privatperson ebenso gerne, wie ich dies als Kulturminister vorher getan habe. Und wenn ich nicht mehr persönlich begrüsst werde, ist dies auch gut so. Kurz: Ich bin noch etwas ausgiebiger Kultur- und Naturgänger geworden.

Ist das nicht auch etwas frustrierend, zu erleben, wie man plötzlich nicht mehr von allen gegrüsst wird?

Ich kann mich darüber nicht beklagen. Ich habe nun in Chur über 40 Jahre in verschiedensten Funktionen zugebracht. Und so treffe ich weiterhin reichlich Bekannte, aus all meinen Lebens- und Berufsphasen. Es ist allerdings klar, dass mit dem Älterwerden die Zahl der Bekanntschaften abnimmt. Die Zwanzigjährigen kennen einen kaum noch. Aber gerade heute Morgen haben wir, vier ehemalige Berufskollegen, uns bei einem gemütlichen Jass getroffen. Ich habe nun deutlich mehr Zeit für derartige, persönliche Dinge.

Sind ganz andere Dinge jetzt wichtiger geworden?

Ich habe immer gerne gesungen und bin auch während der zwanzig Jahre als Stadt- und dann als Regierungsrat immer Aktivmitglied beim Jodelklub Calanda geblieben. Jetzt habe ich nach einem weiteren Chor gesucht und bin nun auch noch Mitglied im Chor dils Larischs. Männerchor gefällt mir, seit meiner Zeit beim Männerchor Schiers vor rund einem halben Jahrhundert. Und der Chor dils Larischs gibt mir die Möglichkeit, bei einem mir sehr am Herzen liegenden Liedgut mitzutun. Die rätoromanischen Texte sind für mich zwar immer wieder herausfordernd, dies tut dem Hirn aber gut!

Dann lese ich regelmässig und nicht wenig. Allerdings bin ich jetzt bei der NZZ eher auch beim Feuilleton zu finden, und ich schneide mir regelmässig Buchbesprechungen aus, um mir dann in einer der Churer Bibliotheken das empfohlene Buch auszuleihen. Gerne sind das auch historische Romane, wie zum Beispiel jetzt gerade das Werk von Franziska Löpfe über Christian Cahenzli, einen Bündner Auswanderer aus Bivio, der im 18. Jahrhundert aus misslichen Umständen seinen Weg und sein Glück gemacht hat. 

Und die Politik?

Man wird ja nicht von einem Tag auf den andern zum politischen Eunuch. In den letzten Monaten habe ich mich wieder sehr aktiv als Unterschriftensammler für diverse eidgenössische Referenden und Initiativen engagiert. Ich bin an Ostern erstmals am internationalen Friedensmarsch am Bodensee mitmarschiert. Meine Partnerin und ich waren zu Fuss oder per Velo hier in Chur an den Klimademos – und auch an der extrem eindrücklichen nationalen Klimakundgebung in Bern im September waren wir mit Tausenden mit dabei. Was ich mir aber klar auferlegt habe: Ich mische mich nicht in die kantonale Tagespolitik ein, und ich halte mich auch von meinem ehemaligen Wirkungsort fern. Was die Mittelschulen angeht, die Kulturorganisationen etc. das ist nun Aufgabe meines Nachfolgers. Ich habe deshalb diverse Anfragen für Vorstände oder Stiftungsräte aus dem Dunstkreis des EKUD ausgeschlagen. Ich bin aber immer noch Mitglied des kantonalen Parteivorstands und neu auch Delegierter der SP Schweiz. Daneben habe ich das Präsidium der Bündner Naturfreunde übernommen. Zudem wurde ich in den Vorstand der Naturfreunde Schweiz gewählt. Dieser internationale Naturschutz- und Freizeitverband ist übrigens vor genau 125 Jahren in Wien als Teil der Arbeiterbewegung entstanden. Und erste Sektionen in Graubünden gibt es ebenfalls bereits seit 1905

Gibt es eine Rolle, welche Alt-Regierungsräte spielen können oder sollen, als elder statesman?

Natürlich weiss man bei vielen Geschäften, wie sie entstanden sind, ob sie schon einmal auf der Traktandenliste standen und wie sie damals entschieden wurden. Man kann also durchaus auch eine Art «historisches Gewissen» sein und diese Dinge einbringen – zum Beispiel bei einer Klausursitzung unserer Kantonalpartei. Allerdings immer im Bewusstsein, dass heute das vielleicht halt ganz anders gesehen und auch entschieden wird. Die Rolle des Besserwissers will ich definitiv nicht übernehmen. Deshalb will ich mich aus der Bündner Tagespolitik heraushalten. So entgeht man auch der Versuchung respektive dem Irrglauben, einen Teil der «Macht» behalten zu können.

Die Pro Raetia wird ihre Jahrestagung 2020 dem Thema widmen: Ist Graubünden daran, in zwei Hälften auseinanderzufallen? Eine richtige Diagnose?

Nicht nur Graubünden! In der ganzen Schweiz blutet der ländliche Raum aus. Und nicht nur im Alpenbogen, wo es in Frankreich und Italien noch viel augenfälliger ist als in der Schweiz. Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern als Beispiel, wie das «Unterleuten», ein dicker Roman von Juli Zeh eindrücklich schildert, den ich eben zu Ende gelesen habe. Alles ist auf Berlin ausgerichtet, Städte und Agglomerationen prosperieren. Im ländlichen Raum gibt es kaum Arbeitsstellen, gibt es kaum Kinder, und damit Schulen und ein funktionierendes Dorfleben.

Ich leiste mir seit meiner Pensionierung mit meinem Generalabonnement viele Reisen in alle Teile der Schweiz, besuche Museen oder schalte dort jeweils eine Wanderung ein. Im Jura sieht es nicht anders aus als bei uns im oberen Oberhalbstein oder in Teilen der Surselva, und im peripheren Tessin ist das Ausbluten zum Teil noch weiter fortgeschritten. Dieser Struktur- und Gesellschaftswandel lässt sich nicht aufhalten. Wenn es heute noch mehr Menschen ins urbane Leben zieht, dann soll das so geschehen. Wir können und dürfen nicht vorschreiben, wie und wo die Leute zu wohnen haben. In dieser Beziehung bin ich ein echter Liberaler. Aufgabe der Politik ist es, trotzdem auch im ländlichen Raum die nötige Infrastruktur zu gewährleisten. Und wer oft mit dem GA unterwegs ist, weiss, wie gut zum Beispiel der öffentliche Verkehr heute in der ganzen Schweiz funktioniert.

Wie gesagt: Ich glaube, dass diese Entwicklung nicht aufzuhalten ist, höchstens abzufedern. Letzthin bin ich wieder einmal durch Schiers gegangen: Wieviele Geschäfte oder auch Beizen im Dorfzentrum sind nicht geschlossen worden oder am Schliessen! Und wenn nicht gerade die Mittelschüler vom Zug zur Schule oder zurück strömen, dann sind auch viel weniger Menschen auf den Strassen anzutreffen als zu meiner Jugendzeit. Man braucht also nicht weit zu gehen, um derartige Veränderungen direkt mitzubekommen. Und dieser Strukturwandel macht nicht einmal vor den Städten Halt. Das Ladensterben hat ja auch die Innenstädte erreicht. Der Schweizer Städtetag hat letzthin hier in Chur diese Entwicklung thematisiert, ohne allerdings das berühmte Ei des Kolumbus zu finden.

 

 

Barbara Janom Steiner: Was mir am meisten gefehlt hat, sind «meine» Leute

Man macht sich sicher Vorstellungen, wie es wohl sein wird. War es dann auch so?

Es war deutlich dramatischer als angenommen. Gut, ich muss sagen, vielleicht habe ich mich auch zu wenig darauf vorbereitet. Ich war elf Jahre lang voll bei der Sache, bis zum letzten Tag, und so ist es dann zu einer Art «freien Fall» gekommen, von 150 auf null. Manchmal habe ich wirklich gemeint, mein Natel funktioniere nicht, keine Anrufe keine Mails. Es war eine abrupte Veränderung.

Ich hatte mir zwar bewusst eine Auszeit genommen, einen Monat Ferien weg von Graubünden. Aber nach meiner Rückkehr fühlte es sich eine Zeit lang wie ein grosses schwarzes Loch an. Zum Glück wusste ich, dass ab 1. Mai die Aufgabe als Präsidentin des Bankrates der Schweizerischen Nationalbank auf mich wartete. Über Jahre hinweg hatte ich eigentlich immer zu wenig Zeit gehabt und auf einmal war da Zeit in Hülle und Fülle, Zeit am Morgen eine To-do-Liste zu erstellen und dann zu merken, dass diese bereits nach zwei Stunden abgearbeitet war. Viel Zeit und keine Herausforderung. Ich vermisste meine Arbeit, meine Funktion, die vielen Anlässe und Kontakte. Aber am meisten vermisst habe ich das Team, «meine» Leute, mit denen ich Tag für Tag zusammengearbeitet, diskutiert, konzipiert, abgewogen und dann entschieden habe.

Also so etwas wie ein drastischer Lernprozess im Alltäglichen?

Ja, absolut. Auch musste ich auf einmal alles selbst machen, zügeln, ein Büro einrichten, die Agenda führen, Dinge, die mir in den vergangenen Jahren abgenommen worden waren. Es ist nicht, dass ich das nicht möchte oder nicht könnte, aber der Prozess der Veränderung geschieht von einem Tag auf den andern. Aber das ist gar nicht das eigentlich Einschneidende. Noch einmal: Die Veränderung geschah in Bezug auf die Umgebung, sich zu gewöhnen wie früher als Anwältin sozusagen wieder alleine zu sein und nicht als Mitglied und Kopf einer Gruppe wie das in einem Departement ist. Hier liegt der grosse Unterschied.

Präsidentin des Bankrates – eine Überraschung?

Ja. Ich war zwar seit drei Jahren Mitglied des Bankrates und wusste, was dies hiess, aber, als Bundesrat Ueli Maurer mich vor fast genau einem Jahr vor einer Sitzung noch sprechen wollte und mich anfragte, ob er mich vorschlagen könne, da war ich völlig überrascht. Ich habe ihn sogar gefragt: Weisst Du, mit wem Du sprichst und was die Reaktionen sein könnten? Seine Antwort war dann: Wir zwei sind schon lange in der Politik und Reaktionen gewohnt. Wir werden sie aushalten. Sie haben dann auch nicht gefehlt. Erstaunlich war, dass das Geschäft über mehr als ein halbes Jahr hinweg streng vertraulich blieb – heute in Bern wohl eher eine Seltenheit.

Das ist im Unterschied zu Graubünden sicher eine neue Welt?

Es ist wirklich etwas ganz Anderes. Finanzen war ich mir gewohnt, aber hier geht es um die Welt der Zentralbanken, die in jedem Staat eine wichtige, eben zentrale Funktion einnehmen. Auch nehme ich jetzt eine ganz andere Funktion wahr. Nachdem ich über Jahre auch sehr operativ tätig war, bin ich nun in einer völlig neuen Aufgabe, hauptsächlich einer Aufsichts- und Kontrollfunktion. Die Geld- und Währungspolitik wird im Direktorium gemacht, hier darf sich der Bankrat nicht einmischen. Diese Unabhängigkeit ist politisch gewollt und in meinen Augen auch sinnvoll und richtig. Nebst der Aufsicht und Kontrolle sind die wichtigsten Aufgaben des Bankrates einerseits die Personalpolitik, falls es im Direktorium zu Veränderungen kommt und andererseits die Unabhängigkeit des Direktoriums zu wahren, dem Direktorium also den Rücken freizuhalten. Deswegen darf ich als Präsidentin auch keine Tätigkeiten ausüben, die in irgendeiner Weise «politisch» sein könnten. Ich habe damit also eine Art «Berufsverbot» für etwas, das ich über Jahre hinweg mit grossem Einsatz und grosser Leidenschaft getan habe.

Was ist denn ihr Blick auf Graubünden, jetzt aus der schweizerischen Sicht?

Ich glaube, Graubünden geht es gesamtheitlich gut. Auch der Ton und die Art, wie hier Dinge angegangen werden, sind moderat und respektvoll. Das ist gut so. Natürlich gibt es Herausforderungen, aber sie sind überschaubar und auch zu bewältigen. Ein Unterschied zu anderen Kantonen und zur nationalen Ebene ist, dass vieles noch im direkten Kontakt erledigt werden kann.

Graubünden hat ausserdem in der Schweiz einen guten Ruf, bedeutet Ferien, heile Welt. Leider musste ich aber feststellen, dass der Bauskandal sehr rufschädigend gewirkt und das Image des Kantons in der übrigen Schweiz ramponiert hat. Immer wieder wird man darauf angesprochen.

Die Herausforderungen sehe ich darin, wie der Klimawandel bewältigt werden kann, vor allem im Tourismus, aber auch in Bezug auf den Permafrost und die Sicherheit der Verkehrswege. Hier sind grosse Anstrengungen nötig.

Ist auch das neue Wahlsystem eine solche Herausforderung?

Das ist juristisch wohl interessant, war aber eigentlich, wenn man die Entscheide des Bundesgerichtes in ähnlichen Fragen zur Kenntnis nahm, so zu erwarten. Es geht meines Erachtens darum, ein System zu finden, das die Parteilandschaft abbildet, aber auch die Talstrukturen des Kantons. Wie gesagt, juristisch interessant, aber nicht zu vergleichen mit den wirklichen Herausforderungen.

Die Pro Raetia wird ihre Jahrestagung 2020 dem Thema widmen: Ist Graubünden daran, in zwei Hälften auseinanderzufallen? Eine richtige Diagnose?

Man darf das meines Erachtens nicht so sagen. Auch die wirtschaftlich schwachen Gebiete haben ihre Vorteile und bieten zum Beispiel als Erholungsraum den wirtschaftlich starken Gebieten einiges. Es richtet Schaden an, wenn so prononciert von einem geteilten Graubünden gesprochen würde. Auch die Gebiete, die in gewissen Studien als «alpine Brachen» bezeichnet wurden, machen unseren Kanton aus und ich bin sicher, das wird immer noch von einer grossen Mehrheit der Bevölkerung so gesehen. Natürlich sind wir – wie auch andere Kantone – mit dieser Entwicklung konfrontiert, darum haben wir uns damals in der Regierung entschlossen, die regionalen Zentren zu stärken und darauf hinzuarbeiten, dass in jeder Talschaft ein solches Zentrum existiert.

Ausserdem bleibt abzuwarten, wie die Digitalisierung sich hier auswirkt. Vielleicht gibt es Entwicklungen, die in eine andere Richtung gehen und die Peripherie dadurch stärken.

Gibt es eine Rolle, welche ehemalige Regierungsrätinnen spielen können oder sollen, als elder statesman bzw. -woman?

Jein. Ich habe es immer gerne gesehen, wenn ehemalige Regierungsräte an Veranstaltungen teilgenommen haben, habe allerdings umgekehrt wenig Verständnis, wenn sie sich mit Leserbriefen oder ähnlichem in die Arbeit der amtierenden Regierung einmischen. Durch meine neue Aufgabe bedingt, dürfte ich so etwas gar nicht tun, es käme mir aber auch nicht in den Sinn. Ich sehe die Aufgabe der Ehemaligen vielmehr als eine unterstützende Funktion, wenn sie nach ihren Erfahrungen gefragt werden.

Leidet man mit, wenn wie im Oktober Wahlen schlecht ausfallen?

Ja, ich habe sehr mitgelitten. Es tut einem weh, wenn eine Sache, für die man gestritten, gekämpft und sich viele Stunden lang eingesetzt hat, nun nicht mehr so erfolgreich ist und von der Wählerschaft nicht mehr beachtet wird. Es wäre seltsam, wenn das spurlos an einem vorübergehen würde.

Präsidentin des Bankrates, und was noch?

Derzeit nehme ich Einsitz in drei Stiftungen, als Vizepräsidentin in der Fotostiftung Graubünden, in der Fundaziun Medias Rumantschas und bereits seit einigen Jahren in der Georg Aliesch-Davatz Stiftung. Ausserdem habe ich zwei Verwaltungsratsmandate angenommen. Mir schwebt vor, noch ein paar zusätzliche VR-Mandate zu übernehmen und ich bin gespannt, was für Angebote ich noch bekomme.

 

 

Kommentar von Johannes Flury

Vor einigen Jahren hatte ich die Aufgabe, ein abgewähltes Mitglied einer Kantonsregierung bei der Integration in die Bundesverwaltung zu begleiten und wir beide sind in dieser Aufgabe grandios gescheitert: Ich als Begleiter, das Regierungsmitglied als zu Integrierendes.

Von dieser Erfahrung ist mir etwas geblieben: Eine Rückkehr aus einer im Mittelpunkt der Politik stehenden Stellung in eine «normale» Tätigkeit mit sehr begrenzter Entscheidungskompetenz ist ein gewaltiger Schritt, der nicht zu unterschätzen ist. Er verlangt von der Person selbst, aber auch von seiner Umgebung Anpassung und – das Wort sei gewagt – eine bestimmte Demut. «Servir et disparaître» ist leicht gesagt, aber nicht einfach so getan. Und Graubünden mit seiner Amtszeitbeschränkung sollte sich dessen sehr bewusst sein. Nicht nur die betroffenen Personen, ebenso sehr die Öffentlichkeit.